Überwältigendes Interesse an GURN-Ausschreibung zur Unterstützung unabhängiger Forschung in der Ukraine: Die Gewinner stehen fest
Im Rahmen des Projektes GURN entwickelte das Institut für Europäische Politik (Berlin) zusammen mit der Partnerorganisation Ilko Kucheriv Democratic Initiatives Foundation (Kyjiw) eine Ausschreibung für die Förderung von Forschungsprojekten ukrainischer Think Tanks, die es den Wissenschaftler:innen ermöglichen soll, innovative Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Hintergrund ist die mangelnde staatliche Finanzierung unabhängiger Forschung. Mit dieser Freiheit zum Forschen will das Projekt einen Beitrag zur Stärkung zivilgesellschaftlicher Akteure und speziell von Think Tanks als Institutionen leisten. Die überzeugendsten Einsendungen erhalten bis zu 5.000,00 Euro für die Finanzierung des Forschungsprozesses und die Veröffentlichung der Ergebnisse bis Ende des Jahres 2020.
40 thematisch diverse Bewerbungen um die Förderung
Dass es einen Bedarf an internationalen Ausschreibungen dieser Art in der Ukraine gibt, lässt sich leicht an der Anzahl der Einsendungen nachvollziehen. Insgesamt gingen knapp 40 Bewerbungen bei GURN ein. Die Anträge kamen zum Teil von renommierten ukrainischen Organisationen und keinesfalls nur aus Kyjiw, sondern auch aus verschiedenen Regionen des Landes. Dies spiegelte sich ebenso in der Themenauswahl wieder. Mehrere Forschungsvorhaben drehten sich um die Nachhaltigkeit der Dezentralisierungsreform oder stellten die Frage, wie sich die Reformen im Bereich von sozialer Sicherung, Bildung und Infrastruktur in den ländlichen Gebieten auswirken. Ein weiterer thematischer Schwerpunkt war der Einfluss der COVID-19-Pandemie auf das regionale Wirtschaftswachstum, die Arbeitsmigration, die Zivilgesellschaft und die Digitalisierung sowie das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierungspolitik. Die im Herbst 2020 anstehenden Lokalwahlen waren ebenfalls Ausgangspunkt für unterschiedliche Forschungsdesigns, etwa im Zusammenhang mit Populismus oder Umweltpolitik. Themen im Kontext der deutsch-ukrainischen Beziehungen fokussierten sich vor allem auf den Energiesektor und die deutsche Außenpolitik in Bezug auf die Krim-Annexion.
Wir bedanken uns bei allen Antragsteller:innen für das immense Interesse und die zahlreichen Einsendungen zur Projektausschreibung! Die Auswahl der Themen hat uns zum Teil überrascht, inspiriert und darüber hinaus einen wertvollen Einblick in den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs in der Ukraine gegeben. Am Ende überzeugten aber vor allem drei Bewerbungen durch ihre zugrundeliegende Idee, ihr hervorragendes akademische Niveau sowie ihr hochwertiges Forschungsdesign.
Zugang zu ukrainischen Universitäten für Schulabsolvent:innen aus den besetzten Gebieten
Das erste Forschungsvorhaben, welches von GURN mithilfe des Auswärtigen Amtes finanziell unterstützt werden wird, widmet sich der Frage, wie effizient die politischen Maßnahmen sind, welche die Abiturient:innen von der Krim und aus den temporär besetzten Gebieten in den Oblasten Donezk und Luhansk in Zeiten von COVID-19 bei der Aufnahme an einer ukrainischen Universität unterstützen sollen und welchen besonderen Risiken sie ausgesetzt sind. Antragssteller ist die analytische Plattform VoxUkraine, eine unabhängige Plattform, die auf wissenschaftliche Methoden gestützte, unparteiische Einschätzungen politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen in der Ukraine veröffentlicht.
Die Folgen von COVID-19 für die Integrität der ukrainischen Lokalwahlen
Die zweite Projektidee, die überzeugen konnte, erreichte uns von dem in Lwiw ansässigen analytischen Zentrum „CIFRA“. Die Kernkompetenz der Organisation liegt in der Wahlbeobachtung und der Erforschung sozialer und politischer Prozesse. Mit Blick auf die anstehenden Lokalwahlen in der Ukraine möchten sie untersuchen, welchen Einfluss COVID-19 auf die Integrität des Wahlprozesses und speziell auf die Mobilisierung der Bezirkswahlkommissionen hat.
Nachhaltige Wirtschaft für die Ukraine: Best Practice aus Deutschland
Das dritte Forschungsprojekt, das Unterstützung von GURN erhalten wird, basiert auf einer Idee des Kyjiwer Forschungszentrums Centre for Economic Strategy (CES), welches die Erforschung der wirtschaftlichen Prozesse im Land im Fokus seiner Arbeit hat. Die Frage, der sie sich widmen werden, ist, wie man durch die Analyse internationaler Praktiken die Verbindung zwischen den makroökonomischen Konjunkturprognosen für die ukrainische Wirtschaft und der Zusammenstellung des staatlichen Haushalts optimieren kann.
Wir wünschen den drei ausgewählten Organisationen viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer Forschungsprojekte und freuen uns auf die Ergebnisse!
Das Projekt „German-Ukrainian Researchers Network“ (GURN) hat zum Ziel, den Fachaustausch zwischen deutschen und ukrainischen Nachwuchswissenschaftler:innen und Senior Reseachern zu fördern, die Expertise im Bereich Policy Analyse auszubauen und gemeinsame praxisorientierte Forschungsprojekte zu unterstützen. Das Projekt wird vom Institut für Europäische Politik (Berlin) in enger Zusammenarbeit mit den ukrainischen Partnern Ilko Kucheriv Democratic Initiatives Foundation (DIF, Kyjiw), think twice UA (Kyjiw) und New Europe Center (NEC, Kyjiw) durchgeführt und vom Auswärtigen Amt gefördert.



